Sieben mal sechs ist dreiundvierzig

Kiran Nagarkar 

Sieben mal sechs ist dreiundvierzig / Roman

Die Übersetzung aus dem Hindi, Marathi und Englischen erfolgte durch Ditte und Giovanni Bandini

Im Original heißt der Titel „Saat Sakkam Trechalis“. Es ist der erste Roman von Kiran Nagarkar, der als einer der bedeutendsten in Indien lebenden Prosaautoren gilt. Das Buch wurde geradezu gefeiert als eine Art Meilenstein der indischen Literatur nach der Unabhängigkeit.

Worin liegt eigentlich die Bestimmung der Menschen, wenn wir ganze Kontinente durchqueren, um uns irgendwann zu verlieben, damit wir endlich der Einsamkeit entfliehen oder sogar noch einsamer werden? Kushank ist ein junger Mann aus Bombay, der versucht, genau darauf eine Antwort zu finden. In diesem Kontext erkennt er auch komische Aspekte in menschlichen Beziehungen, Sexualität, Armut, Krankheit und Tod.

Frauen haben Kushanks Welt durchaus geprägt. Da waren zum Beispiel die launische Aroti und die schöne, aber verletzliche Chandani (seine erste Liebe). Oder nehmen wir jene rätselhafte Frau, die Kushank schon vor langer Zeit verlassen hat, obwohl er noch immer an ihr hängt. Er erzählt ihr alles, was er erlebt, denkt oder fühlt, obwohl sie ihm gar nicht mehr zuhört.

Kommen wir noch kurz zu seinen guten alten Freunden. Raghu ist ein unsentimentaler Weltverbesserer und arbeitet für eine internationale Hilfsorganisation. Sadhan lebt in Benares und hat mit einer Frau in Notwehr den gemeinsamen Freund Ravindra mit einer Sichel getötet.

Rund um Kushank baut Nagarkar mehrere eindringliche Geschichten auf, die Komisches mit Tragischem und Brutales mit Zärtlichem verbinden. Es ist ein tempo- und episodenreicher Roman voller Lebenshunger, Humor und Ironie.

Es gab von diesem Buch bereits eine stark gekürzte englische Ausgabe. Doch nun liegt die vollständige Übersetzung des Originals aus dem Marathi, Hindi und Englisch vor. Das gebundene Buch (ISBN 978-3-927743-95-3) ist 360 Seiten stark und kostet 22,80 Euro.

Die Übersetzer Ditte und Giovanni Bandini haben beide klassische Indologie, Marathi, Hindi und Religionswissenschaften studiert und promoviert. Seit 1987 sind sie als freie Schriftsteller und Übersetzer tätig. Sie übersetzten unter anderem Seamus Heaney, Matt Ruff und Cathleen Schine ins Deutsche.

Die Übersetzung des vorliegenden Buches wurde mit AA-Mitteln durch die „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e. V.“ (litprom) unterstützt.

Günter Herburger – Der Kuss

Der Kuss / Gedichte

Günter Herburger kann ohne Gedichte, die wie Träume sind, weder schreiben noch leben. Die Voraussetzungen dafür sind nach seinem Verständnis allerdings Wissen, Spiellust, Geduld und Zorn. Der neugierige Blick im Verein mit Beobachtungsgabe und Erinnerungsvermögen findet stets Bilder, die wie Katalysatoren auf die Sprache einwirken. Herburgers Gedichte versöhnen Leben und Tod ebenso wie Schrecken und Leichtigkeit. „Der Kuss“ hat mit seinem hohen Maß an Zuneigung und Empathie das Zeug zu einem Klassiker des 21. Jahrhunderts, weil ja „das Paradies so weh tut“.

Die Arbeit an dem 116 Seiten starken, gebundenen Buch (ISBN 978-3-940666-02-4) zum Preis von 16,40 Euro wurde vom Deutschen Literaturfonds e. V. gefördert.

Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall

Roman von João Paul Cuenca

Aus dem brasilianischen Portugiesisch übersetzt von Michael Kegler

Shunsuke ist ein Angestellter in Tokio. Sein Arbeitgeber ist eine multinationale Firma kurz vor dem Bankrott. Der junge Mann hat viele eher belanglose Affären, doch eines Tages verliebt er sich in einem Nachtclub in die polnisch-rumänische Kellnerin Iulana. Ihr Interesse gilt aber vielmehr der schönen Tänzerin Kazumi.

Ein alter Dichter interessiert sich sehr für die vorgestellten Personen, die er sogar mit heimlichen Aufnahmen überwacht. Es handelt sich dabei um Shunsukes Vater Atsuo Okuda. U-Boot heißt sein privates Spionagenetz, das das Glück seines Sohnes in die rechten Bahnen lenken soll. Seiner neuen Gefährtin Yoshiko liest er indes Gedichte vor. Es ist eine sprechende Gummipuppe, die nach seinen Anweisungen gefertigt besonders realistisch rüberkommt.

Plötzlich entwickelt Atsuo ein gesteigertes Interesse an Iulana, was die Hoffnung auf wahre Liebe seines Sohnes Shunsuke auf eine harte Probe stellt.

Dieser dritte Roman von João Paulo Cuenca (ISBN 978-3-940666-31-4) ist eine moderne Liebesgeschichte, in welcher unterschiedliche Erzähler zu Worte kommen. Dabei wird dem Leser die Tragik unserer Realität so richtig verdeutlicht, sodass sich unwillkürlich die Frage auftut, ob nicht gerade die Überlebenden eines Unfalls die wahren Opfer sind.

Das gebundene Buch hat 144 Seiten und kostet 16,90 Euro. Die Übersetzung wurde mit Mitteln des „Fundaçaõ Biblioteca Nacional“, der dem „Ministério da Cultura do Brasil“ angehört, gefördert.

Thomas King – Medicine River

Medicine River / Roman von Thomas King

Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Panzacchi

Es geht um das Leben in einer kleinen Stadt im westlichen Kanada in der Nähe eines Blackfoot-Reservats. Humorvoll und offen werden all die subtilen Wahrheiten dort präsentiert. Für dieses Buch erhielt Thomas King gleich mehrere Auszeichnungen, zudem stand sein Buch sogar auf der Shortlist des „Commonwealth Writers‘ Prize“.

Will ist ein Fotograf aus Toronto, der in seine Heimatstadt Medicine River zurückkehrte, da die Beerdigung seiner Mutter anstand. Eigentlich wollte er nur kurz bleiben, doch sein Freund Harlen Bigbear brachte die Planung durcheinander. Harlen ist so ein Typ, der immerzu das Leben seiner Freunde und Nachbarn irgendwie regeln will. So versucht er Will davon zu überzeugen, ganz und gar nach Medicine River zurückzukommen, um hier ein Studio als Native-Fotograf zu eröffnen.

Will fühlt sich allerdings schon von seiner Familie und den alten Freunden etwas entfremdet. Harlen hat aber immer ein Gegenargument und deshalb befindet sich Will bald im lokalen All-Native-Basketball-Team wieder. Überdies lernt er die schwangere, aber unverheiratete Louise Heavyman kennen. Der Leser ist zuweilen geneigt, bei den grandiosen Dialogen und Wendungen laut aufzulachen.

Die Übersetzerin Cornelia Panzacchi wurde 1959 geboren und hat Kultur- und Literaturwissenschaften studiert. Sie ist als freie Übersetzerin (Englisch, Französisch, Italienisch, Deutsch) tätig. Unter anderem übersetzte sie Werke von Amadou Kouroma und Aminata Sow Fall ins Deutsche. Gefördert wurde die Übersetzung durch „The Canada Council for the Arts“.

Der gebundene Roman (ISBN 978-3-940666-00-0) umfasst 264 Seiten und kostet 19,- €.

Ngũgĩ wa Thiong’o

Er wurde im Jahre 1938 im kenianischen Kamirithu/Limuru in einer Bauernfamilie geboren. Studiert hat er am „Makerere University College“ in Kampala/Uganda sowie an der „University of Leeds“ in Großbritannien. An der „University of Nairobi“ begann er 1967 sein Berufsleben als Dozent für Literatur. Dort lehrte er bis 1977.

Dann wurde er ohne Anklage inhaftiert, weil er sich in kritischer Weise mit dem postkolonialen Kenia auseinandergesetzt und zudem ein regierungskritisches Theaterstück in Gikuyu verfasst hat. Aufgrund einer Kampagne durch Amnesty International wurde er aber nach einem Jahr aus dem Gefängnis entlassen.

Trotzdem wurde er vom Regime von Daniel arap Moi massiv bedroht. Das veranlasste ihn, 1982 nach London ins Exil zu gehen. In die USA übersiedelte er dann 1989. An der „University of California“ in Irvine lehrte er Englische und Vergleichende Literaturwissenschaften.

Auf der Grundlage seiner vielen literarischen und politischen Essays sowie dem umfangreichen Romanwerk zählt Ngugi wa Thiong’o zu den bedeutendsten Schriftstellern Afrikas. Für sein Lebenswerk wurde er 2009 für den „Man Booker International Prize“ nominiert.

 

Geburt eines Traumwebers

Zeit des Aufbruchs

Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Brückner

Es ist der dritte Band seiner Erinnerungen. Darin ist der Fokus auf seine Studienzeit zwischen 1959 und 1964 gerichtet. Das Makerere University College war die einzige höhere Bildungseinrichtung im damaligen Ostafrika und ein kleiner Kosmos für sich. Auch hier gab es Umbrüche, ähnlich jenen des gesamten Kontinents in dieser Zeit. Die Kolonialmächte waren auf dem Rückzug und die Kolonien strebten nach Unabhängigkeit, neue Staaten bildeten sich.

Eine entscheidende Wende in seinem Leben stellte die Schriftstellerkonferenz dar, die 1962 an seinem College stattfand. Ngũgĩ wa Thiong’o begegnete auf dieser Konferenz erstmals Chinua Achebe, der ihm den Weg ebnete für die prestigeträchtige „Heinemann African Writers‘ Series“. Darüber und über die Zeit des Aufbruchs berichtet Ngũgĩ wa Thiong’o nicht nur detailreich, sondern auch überzeugend und aufklärend. Außerdem lernen wir überhaupt sehr viel über die moderne afrikanische Literatur von ihm.

 

Der Übersetzer Thomas Brückner wurde 1957 geboren und studierte Afrikanistik sowie Kultur- und Literaturwissenschaften. Seinen Lebensschwerpunkt bestreitet er in Leipzig und ist als Gastprofessor in Deutschland und Schweden tätig. Thomas Brückner übersetzte unter anderem Werke von Helon Habila, Meja Mwangi und Ivan Vladislavić aus dem Englischen ins Deutsche.

Das gebundene, bebilderte Buch (ISBN 978-3-940666-75-8) hat 256 Seiten und kostet 19,90 Euro.

jede sekunde stirbt ein nichtraucher

a lexikon üba vorurteile un andre teile

(Auch hier noch mal der Hinweis, dass merkwürdige falsche Schreibweisen zum besonderen Stil von Zé do Rock gehören.)

Das Buch beschreibt Länder, Menschen und Sitten, aber auch Vorurteile, Klischees und Sicherheitswahn. Dabei bringt Zé do Rock mit seinem lustvollen Sprechtheater bewusst unsere Denk- und Wahrnehmungsmuster ins Wanken. Sein anregendes Plädoyer gegen mangelhafte Toleranz und überbordende Engstirnigkeit richtet sich an „qualma, raucha, anti-schmaucha und anti-paffa“. Er drückt es in seiner gewohnten Art sehr treffend so aus: „Wenn unsere hirne gewisse informationen als wahrheit aufgenommen haben, wird es schwer, diese wahrheiten zu erschütta, da kannen unsere ohren hören was sie wollen und unsere augen sehen was sie halt sehen.“

Wir haben es hier mit einem witzigen literarischen Lexikon zu tun, das angefüllt ist mit respektlosen Ab- und Einsichten in progressivem Ultradoitsh beziehungsweise Wunschdeutsch gemischt mit internationalisiertem Kauderdeutsch und Esperanto, für das Zé do Rock den Schwabinger Kunstpreis 2010 erhielt.

Das in flexiblem Einband gebundene Buch (ISBN 978-3-940666-11-6) hat 272 Seiten und kostet 18,80 Euro.

Schädelfeld

Darius Muszer / Roman

Vorbei ist der Krieg auf einer Parallel-Erde und die Europa-Union wurde aufgelöst. Die Erde ist total verwüstet und unbrauchbar, denn es gibt kaum noch Pflanzen, Tiere oder Nahrung. Aschhäute werden jene noch existierenden Menschen genannt, die einen harten Überlebenskampf führen.

Es ist ein wahrlich apokalyptisches Szenario, in dem sich Kalong und sein Sohn Justus befinden. Sie arbeiten auf einem Feld, wo während des Krieges die Opfer des in der Nähe befindlichen Lagers verscharrt wurden. So graben sie und ein paar Andere die Skelette aus, aus denen sie brauchbare Rohstoffe und technische Ersatzteile gewinnen. Besonders großer Wert wird dabei auf die Schädel der Mondkinder „Lunakis“ gelegt.

Liv ist die Frau von Kalong. Gemeinsam mit Tochter Kara, Hagid und Zunrita kümmert sie sich um einen heruntergekommenen Bauernhof. Hagid war Soldat. Er hat beide Hände verloren und wartet nun darauf, dass sie ihm wieder nachgewachsen. Zunrita ist eine wagemutige Frau, die kaum ein Problem für unlösbar hält.

Der Askari-Hauptmann Triglahn beschließt unterdessen, den Bauernhof mit seinen Soldaten anzugreifen. Die Bewohner müssen einen Weg finden, der Übermacht zu entkommen.

Der Anfang September 2015 erschienene, gebundene, 360 Seiten starke Roman (ISBN 978-3-940666-68-0) ist bizarr und skurril. Er handelt von Liebe und Mitmenschlichkeit, Verantwortung, Hass und Grausamkeit auf einem Planeten, welcher von den Menschen zerstört wurde.

Das Besondere: Hier kommt endlich auch mal die Erde selbst zu Wort. In ihrem Klagelied singt sie über ihre Peiniger, während das Multiversum aufmerksam zuhört.

(Videoclip zum Buch)

Manuel Jorge Marmelo – Eine tausendmal wiederholte Lüge

Er wurde 1971 im portugiesischen Porto geboren und schrieb schon als sehr junger Mann für die Tageszeitung „Público“. Seine erste Novelle erschien 1997, zwei Jahre später sein erster Roman.

Seither veröffentlichte er circa 24 Erzählbände, Romane, Theaterstücke sowie Kinderbücher. „Eine tausendmal wiederholte Lüge“ brachte ihm 2014 den portugiesischen Literaturpreis „Casino da Póvoa“ ein. Manuel Jorge Marmelo lebt heute in Porto.

Eine tausendmal wiederholte Lüge / Roman

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Michael Kegler

Der Erzähler erfindet wohl eher aus Langeweile den jüdischen Autor Oscar Schidinski und dessen monumentales Werk. Dieser fiktive ungarische Jude kann selbstverständlich mit einem wechselvollen Leben aufwarten und auch die vielen beigefügten Protagonisten sind mit tollen Geschichten umrankt.

Sogar den Fahrgästen im Stadtbus erzählt er vom Unglück des Zebramanns von Polvorosa, vom Chaos des Postwesens in Granada, von einem Fluch durch den Seemann Albrecht und von den Erinnerungen des betagten Afonso Cão, einem Freund von Rechtsanwalt Cassiano Consciência, der stolzer Besitzer des einzigen Exemplars von „Die eroberte Stadt“ ist, jenem Roman und Meisterwerk von Oscar Schidinskis.

Dabei verstrickt er sich sogar in literarische Konstruktionen, lehnt sich weit hinaus in die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts, stellt zuweilen alles wieder infrage, was er gerade so spannungsgeladen aufgebaut hat, auch die eigene Biografie, allein um immer weiter zu erzählen, obwohl eigentlich niemand mehr zuhört.

Wer ihm dennoch im Stadtbus von Porto weiter zuhört, macht eine Weltreise von Belize nach Budapest, dann weiter über Honduras zu den Alpen nach Toulon und Lissabon. Möglicherweise findet der Erzähler auf diese Weise seine Liebe, die eventuell ja auch nur eine Erfindung ist.

Das gebundene Buch (ISBN 978-3-940666-63-5) umfasst 216 Seiten und kostet 18,80 Euro.

Dariusz Muszer

Er wurde 1959 im polnischen Górzyca nördlich von Frankfurt/Oder geboren und studierte Jura. Gleichwohl arbeitete er als Schlosser, Musiker, Kellner, Beleuchtungstechniker und Taxifahrer. Seine Reportagen, Romane und Gedichte veröffentlichte er auf Deutsch und Polnisch. Seit dem Jahre 1988 lebt Muszer in Hannover.

(www.dariusz-muszer.de)

José Eduardo Agualusa

Er wurde 1960 im angolanischen Huambo geboren und studierte Agrar- und Forstwissenschaft in Lissabon. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen und Gedichte, die in viele Sprachen übersetzt worden sind. Er lebt als Journalist und Schriftsteller in Portugal, Brasilien und Angola.

(www.agualusa.info)